Der erste Januar hat jede Bedeutung verloren. Halb leere Champagnergläser auf dem Tisch und ein Feuerwerk, das ein jedes Mal enttäuscht. Zehnjährige schwänken halbherzig, von ihren Eltern in die Hand gedrückte, Wunderkerzen – Made in China, obwohl sie lieber Fortnite spielen würden. Aber der 1. Januar 1940 ist ein wichtiges Datum. Das ist der Tag – vor fast acht Jahrzehnten – an dem ein Mädchen, und mit ihr sinnbildlich erneut der Pragmatismus, zur Welt gekommen ist.

Sie ist eine Frau, die ihre Heirat als zweckmäßig und Flucht vor der Einsamkeit beschreibt. Ihr Mann trägt seinen Ehering als Zeichen der Schande, weil sie Besseres verdient hätte. Eine Mutter, welche ihre Bedürfnisse immer hinter die ihrer Familie stellte, diese es jedoch nie bemerkt hatte. Eine Großmutter, welche durch wenige Worte der Weisheit ihrem Enkel mehr Liebe schenkt, als es Umarmungen je tun könnten.

Eine Frau die keine schlechten Worte über andere je verlieren würde, wie wir es tun würden, um sich besser zu fühlen. Eine Frau die nicht versucht reich oder bedeutend zu werden oder es zu sein, wie wir es sein wollen. Sie ist eine Frau die, nachdem sie ihre Familie groß zog, mit ihm, ihrem Mann, alles Aufgebaute hinter sich ließ um ihren Lebensabend in der Heimat ihres Mannes zu verbringen. Sie ist eine Frau die ihr gemeinsames Haus mit Verlust ohne zu zögern verkauft, um ihm ein angenehmeres Leben zu ermöglichen. Sie, eine Frau die das Ehebett mit ihrem Mann teilt, obwohl es ihr jeden Morgen nach dem Aufstehen Schmerzen beschert. Sie ist meine Großmutter, eine Frau für die ich noch nie so viel Respekt empfunden hatte wie heute. Sie ist eine Frau, die aufgrund der Aufmerksamkeit, welche ich ihr nun schenke, peinlich berührt sein wird.

Doch trotzdem, sie ist eine Frau, die heute ihren 78. Geburtstag feiert. Pragmatisch, mit Dank für ihr Dasein in unserem Leben und mit Respekt sagen wir, sage ich – alles Gute!